Wie alles begann...Teil 1

Eigentlich wollte ich mich in diesem post darüber auslassen, wie sehr es mich aufregt, wenn immer wieder Menschen behaupten, auf der Bühne zu stehen, sei ja keine "Arbeit". Doch dann fiel mir auf, dass ich zuerst einmal erklären müsse, wie ich denn auf diese vermaledeite Bühne überhaupt gekommen bin. ;-) Anfang 2014 hatte ich ein Burnout. Ich war zu diesem Zeitpunkt knapp 15 Jahre im Handel tätig, in welchem ich durch Zufall gerutscht bin. Alleinerziehend, mit 2 Kindern hat man meistens nicht allzuviele Wahlmöglichkeiten. Dennoch konnte ich mich zur Filialleiterin hocharbeiten, betreute am Ende meiner Karriere mehrere Filialen und übernahm viele Zusatzaufgaben wie Eröffnungen. Personalschulungen, Einrichtungen, Messearbeit,...Außerdem galt ich als rechte Hand und Nachfolger unseres Gebietsleiters. Das alles ließ ich mir natürlich dementsprechend bezahlen, Ich war unter den Angestellten die höchstbezahlte Mitarbeiterin in ganz Österreich; meine Arbeit war es aber auch wert. Und nicht zuletzt galt ich als ausgesprochen fähig, kompetent,selbstständig und genoss im Betrieb völlige Narrenfreiheit. Kurz gesagt, ich war mir sicher unersetzlich zu sein. Weit gefehlt...

Eröffnung ES_ SCS und Testen der neuen Umkleidekabinen, 2011

Kurz vor Weihnachten 2013 wurden meine Mitarbeiter und ich völlig überraschend gekündigt; unsere Filiale- und viele weitere, wie wir schlußendlich erfuhren, wurden geschlossen. Für mich brach damals eine Welt zusammen. Jahrelang hatte ich die Firma zu meinem Lebensinhalt gemacht, sie hatte stets Priorität. Außerdem mochte ich die Arbeit, die Leute, die Kunden...ich konnte mir nicht vorstellen in einem anderen Betrieb tätig zu werden. Na, und da war ja natürlich auch noch das liebe Geld....

Mir war damals, als würde mir der Boden unter den Füßen weggezogen. Ich konnte nicht mehr schlafen, ich konnte mich nicht konzentrieren, ich war depressiv, ich bekam Panikanfälle aufgrund von Existenzängsten und ich hatte absolut keinen Schimmer was ich jetzt machen sollte.

Meine Bitstrips posting damals waren nicht meine positivsten...

Zur damaligen Zeit kamen viele Dinge noch dazu, die das Ganze noch schlimmer machten. Meine Tochter geriet in schlechte Gesellschaft, war einige Zeit abgängig. Meine Hobbyband schmiss mich ganz unerwartet aus meiner eigenen Band und meine Beziehung ging den Bach runter. Ich versuchte mich bei anderen Firmen zu bewerben, aber ich war überqualifiziert und zu teuer. Ich wurde immer desillusionierter.

Zeitgleich wurde ich richtig sauer auf die Firma und beschloss, nicht einfach so zu gehen. Da ich schon lange wusste, dass die Firma sich mit Falschanmeldungen der Mitarbeiter Geld ersparte und somit nicht nur das Personal, sondern auch die Krankenkasse und das Finanzamt betrog, wandte ich mich an die AK und an den Arbeitsinspektorat und zeigte die Firma an. Damit zog ich aber den Hass der anderen Mitarbeiter auf mich, die um ihre Stelle fürchteten. Ich ließ mich aber nicht beirren und ignorierte die Drohanrufe und Beschimpfungen meiner Kollegen.

Aber natürlich ging das Ganze nicht spurlos an mir vorbei.Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und ich ging ich zu meiner Hausärztin um mir ein Schlafmittel verschreiben zu lassen. Als ich dort saß, fing ich an zu weinen und konnte nicht mehr aufhören. Die Ärztin schrieb mich daraufhin krank.

Und das hat alles geändert.

Durch das Krankengeld war immerhin die finanzielle Sorge zunächst gelöst und ganz ehrlich fiel mir ein Stein vom Herzen, dass ich nicht bei der Endräumung der Filiale dabei sein musste. Mein ganzes Herzblut steckte da drinnen, der Gedanke das alles ausräumen zu müssen, war mir unerträglich.

Ich in meinem Reich, 2010

Die erste Zeit meines Krankenstandes schlief ich. Ich hatte lange nicht geschlafen und einiges nachzuholen. Ich erinnere mich heute noch, an das wunderbare Gefühl morgens liegen bleiben zu können, wenn man sich nicht gut fühlte. Bislang war mein Leben äußerst Hektisch gewesen, es war ein Hamsterrad geprägt von....Kinder aufwecken- im Stau stehen- in die Arbeit hetzen- mit Lehrern streiten- Kunden bedienen- freundlich sein- Kisten schleppen- einkaufen- Haushalt- Kinder abholen- Schulaufgaben- kochen..... aber ich war es gewohnt.

Plötzlich nicht mehr zu " müssen". Plötzlich den Gedanken haben zu können:"Wenn ich jetzt nicht einkaufen mag, dann kann ich auch morgen oder übermorgen gehen", empfand ich als puren Luxus.

Ich fing damit an viele Selbstfindungsbücher zu lesen. Ein Buch, dass ich besonders gut fand, vermittelte u.a die Botschaft sich an die Dinge zu erinnern, die man als Kind gerne getan hat und diese weiterzuverfolgen.Das nahm ich mir zu Herzen. Zunächst aber musste ich Vorarbeit leisten. Ich begann damit immer das Gegenteil von dem zu tun, was ich gewohnt war. Ich fuhr andere Strecken nach Hause, als sonst (ich hatte ja Zeit), ich ging in Lokale, die ich nicht kannte, ich hörte Musik, die ich sonst nie gehört hatte, ich las

Bücher, für die ich früher keine Zeit gehabt hätte.Und ich handelte- völlig entgegengesetzt meines üblichen Verhaltens- spontan. Ich besuchte einen Kurs in gewaltfreier Kommunikation, stolperte in Facebook über eine Werbung für eine Sprecherschule und meldete mich kurzerhand an, ich buchte einen Italienischkurs und ich schaute mir verschiedenste Städte an.

Und ich besann mich auf das, was ich gut konnte und was ich als Kind immer und jederzeit gemacht hatte: aufs Singen!

Was danach geschah und wies weiterging, erfährt ihr nächstesmal! :-)

 

Das sind die Bücher, die mir damals geholfen haben:

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